Mittwoch, 14. Dezember 2011

Ein Fall für Sherlock Holmes

Ohjemine, jetzt werde ich mich wegen der Abwesenheit in diesem Blog in Ausreden und Erklärungen verstricken müssen, aber ich will mich wegen meiner langen Schreibfaulheit nicht um Kopf und Kragen reden. Sagen wir einfach mal so: Irgendwie kam immer was dazwischen, wenn ich mich dransetzen wollte...
Mit den ghanaischen Freunden bin ich noch in Kontakt, soweit das möglich ist. Leider haben nicht alle Facebook, und so musste der Kontakt zu einigen abbrechen. Aber der Carpenter Kofi ruft mich immer wieder an; dann schreien wir uns durch die stark rauschende Leitung ein paar Wörter auf Englisch und auf Twi zu, ärgern uns zusammen über die schlechte Verbindung und legen wieder auf.
Stephen will nächsten Sommer nach Deutschland kommen und bat mich dafür um einen sogenannten Invitation Letter, da er sonst nicht nach Europa darf. Ich bin zwar nicht besonders gut auf ihn zu sprechen (er hatte mir viel Geld weggenommen - ich weiß nicht, ob und inwiefern ich das auf dem Blog erwähnte), aber seine Einladung nach Deutschland will ich ihm natürlich nicht verwehren. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich damit auch für ihn bürge - in dem Fall müsste er seine Einladung von woanders bekommen.

Nach diesem Vorwortgeplänkel kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Posts:
In Bontodiase gab es letztes Wochenende einen Kriminalfall, und der war nicht ohne! Ich habe das Ganze von dem Mädchen erfahren, das nach mir nach Ghana kam.
Die EPs waren über das Wochenende verreist, als ein Anwohner Ofoases die Gunst der Stunde nutzte, um seine diebischen Elsterkünste im Praktikantenhaus zu vollführen.
Cynthia, die schließlich nebenan wohnt, erwischte ihn dabei, woraufhin er sie mit einem Messer verfolgte. Dann kam die Polizei; er bewarf sie mit Steinen, wurde ins Bein geschossen und fristet nun seine Zeit im Krankenhaus.
Sein Diebesgut war der Globus, den ich mitgebracht hatte. Dieser liegt jetzt als Beweismittel bei der Polizei.
Unglaubliche Geschichte! Ich bin froh, dass sie gut ausging und niemandem etwas Schlimmes passiert ist. Ich kann mir vorstellen, dass Cynthia einen großen Schock erlitten hat.

IMGP2008 Cynthia tanzt ausgelassen auf meiner Abschiedsparty am Ort des Verbrechens. Ob sie bald wieder so sorglos im Praktikantenhaus jubilieren kann? Wir wollen es hoffen.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Wieder in Deutschland!

Gestern bin ich mittags in Frankfurt angekommen und wurde von einer feuchtäugigen Mama abgeholt. Ich durfte mir in Mannheim aussuchen, was wir essen. Da hab ich mich natürlich direkt für Sushi entschieden - mmmmhhhh!
Es ist sehr sehr seltsam, wieder in Deutschland zu sein. Die Leute kommen mir so komisch vor. Alle so ernst und leichenblass, niemand spricht mich an und dann stehen auch noch überall Mülleimer am Straßenrand. Die Stadt ist sauber, alles sieht steril aus. Es ist kalt und die Luft trocknet den Hals aus. Die Leute laufen ganz dekadent mit Kinderwägen rum, anstatt sich ihr Baby einfach auf den Rücken zu binden. Sehr mysteriös hier...
Von Ghana gibt es noch viel zu berichten, ich kam in den letzten Tagen nur nicht mehr mit den Erzählungen nach. Das wird jetzt natürlich alles nachgeholt! Auch hab ich nun Gelegenheit, die ganzen Bilder an passende Stellen einzufügen. Es lohnt sich also, nochmal durchzublättern...

Dienstag, 27. September 2011

Verrückte Trotrofahrten

Nach dem Regenabenteuer auf dem Weg zum Mole National Park beschloss ich, nicht sofort von meinen interessanten Trotrofahrten zu berichten, sondern sie zu sammeln und als Bündel zu präsentieren. Trotro fahren ist doch immer wieder ein Erlebnis...

1. Schlechte Reifen: Auf dem Weg von Kumasi nach Nkawkaw fuhren wir in einem ordinären Trotro mit alten, löchrigen Sitzen. Die Sitze waren aber anscheinend nicht das Einzige, das alt und löchrig war: Auf der Fahrt machte es plötzlich PENG und wir kamen zum Stehen. Ein hinterer Reifen war geplatzt. Wir vertraten uns auf einer zehnminütigen Pause also die Beine, während der Mate (das ist der, der immer das Geld einsammelt und das Fahrtziel ruft) den Reifen wechselte (zum Glück hatte das Trotro vorschriftsmäßig einen Ersatzreifen dabei). Das war kein Problem, und wir konnten die Fahrt frohen Gemüts fortsetzen. Keine Viertelstunde später kam jedoch ein zweites, lauteres PENG: Ein Vorderreifen und der neue Ersatzreifen waren nun gleichzeitig geplatzt (so neu war der Ersatzreifen dann wohl doch nicht). Nun hatte das Trotro keine Reifen übrig und die Pause würde wohl länger dauern, bis sie zwei Reifen organisieren würden. Zum Glück waren wir nicht mehr weit von Nkawkaw entfernt und konnten für den Rest der Strecke ein Taxi nehmen, sonst hätten wir bestimmt irgendwo übernachten müssen...

2. Die "Falltür": Eine Trotrofahrt war besonders nervig, weil alle paar Meter die Tür abfiel und mit einem lauten Scheppern auf der Straße landete. Dann musste das Trotro immer anhalten, der Mate brachte die Tür wieder an, und es ging weiter. Egal wie gut die daneben sitzenden Passagiere versuchten, die Tür festzuhalten - sie rutschte immer wieder aus der verrosteten Halterung und fiel auf den Asphalt/Lehm. Also wieder anhalten. Tür anbringen. Weiterfahren. Anhalten. Tür anbringen. Weiterfahren. Da dauerte die normalerweise einstündige (oder eher sogar 3/4) Fahrt nach Nkawkaw beinahe drei Stunden...

3. Kaputte Scheinwerfer: Eines Abends saßen wir nach einem erschöpfenden Tag im Trotro auf dem Weg von Abirem nach Ofoase. Es war schon zwischen 19 und 20 Uhr und somit stockdunkel. Nach kurzer Fahrt fielen von einem Moment zum nächsten die Scheinwerfer aus. Der Fahrer hielt an und versuchte, das Problem zu lösen (und bekam wie in solchen Situationen üblich neunmalkluge Ratschläge von allen Seiten zugerufen), aber das Licht wollte nicht funktionieren. Weil wir aber gerade irgendwo im Nirgendwo waren, beschloss der Fahrer mit dem Mate, die Fahrt noch zu vollenden. Und zwar mit einer Handytaschenlampe. Ja, mit einer Handytaschenlampe! Nur einer der Passagiere hatte eine dabei (mein Akku war alle, ich hatte also auch nichts), und die wurde dann aus dem Fenster gehalten. Man hat quasi nichts gesehen, es war so unheimlich! Der Fahrer hupte die ganze Zeit, um entgegenkommende Autos und Fußgänger zu warnen, denn es sah ja auch niemand uns. Zum Glück wusste der Fahrer auswendig, wo die Schlaglöcher und Hügel im Boden sind, sodass er alle Hindernisse auch ohne gute Sicht umfuhr.

4. Ein echt "belämmertes" Trotro: Ich saß nichtsahnend in der vordersten Reihe im Trotro, als ich hinter mir auf einmal ein "Määäh!" hörte. Als ich mich umdrehte, erblickte ich in der Sitzreihe hinter mir ein unzufrieden aussehendes Schaf, das meinen neugierigen Blick müde erwiderte. Mein Sitznachbar erklärte, dass er Schlachter sei und auf dem Weg jetzt alle Schlachtschafe von den Farmern einsammeln würde. Auf der Fahrt stoppte das Trotro also immer wieder, und ein Schaf nach dem anderen wurde grob durch die hintere Tür über zwei Sitzbänke hinweg ins Trotro geschmissen. Am Ende saßen wir Passagiere dicht zusammengedrängt mit acht mähenden, müffelnden Schafen im Trotro. War ich froh, als der Schlachter mit seinen Wollknäueln ausstieg!

Sind nur vier Erlebnisse, aber ich war zu ungeduldig und musste das einfach jetzt schon abschicken...

Montag, 26. September 2011

So viel noch zu tun und so wenig Zeit...

Dank des ständigen Gewitters haben wir dauernd Stromausfall, der oft lang anhält. Jetzt ist gerade wieder Strom und ich konnte den Laptop aufladen.
Unser Praktikantenhaus wird immer wohnlicher: Gurbe und ich haben zwei Regale herbeigeschafft, die wir irgendwo im Müll gefunden haben. Eins davon steht nun im Living Room (der so langsam wirklich ein Wohnzimmer wird!), eins vor dem fertigen Washroom, damit wir unsere Shampoos etc. abstellen können. Ja, ihr habt richtig gelesen: Der Washroom ist fertig und ich nutze ihn sehr gerne. Es sind sogar Fliesen auf dem Boden, die lassen sich so leicht reinigen! Wenn wir Strom haben, koche ich mir immer etwas Wasser und genieße dann eine schöne, warme Dusche im neuen Washroom. In einen der unfertigen Räume haben wir eine Wäscheleine aufgehängt, damit wir nicht alles in Queen Mothers Garten trocknen müssen. Die Butter, die ich gekauft hatte, steht jetzt immer im Luftstrom des Ventilators, damit sie länger frisch bleibt. Insgesamt finde ich es gerade richtig toll, hier zu leben.
Mit Gurbe habe ich morgens immer ein gemütliches Frühstücksritual mit Tee/Kaffee (wir haben uns Becher gekauft) und chilliger Musik. Oft sitzen wir dabei draußen auf der Veranda mit unseren Plastikstühlen und beobachten die Hühner. Es gibt ein bestimmtes Huhn, das immer Eidechsen jagt. Dieses Huhn (ich hab es Chaser genannt) versuche ich morgens immer zu entdecken. Wenn ich es nicht sehe, bin ich besorgt, dass es vielleicht überfahren wurde; bisher ist es aber im Verlaufe jedes Tages noch aufgetaucht.
Abends sitzen wir nach dem Abendessen auch noch beisammen und philosophieren über unseren Ghana-Aufenthalt und unser Leben allgemein. Ich habe das Gefühl, dass wir viel voneinander lernen können, weil wir so verschiedene Menschen sind.
Inzwischen bin ich fürs Kochen zuständig (hat sich ohne Absprache so entwickelt). Gurbe fragt natürlich immer, ob er etwas helfen kann. Wenn ich nein sage, setzt er sich erleichtert nach draußen und schaut dem Gras beim Wachsen zu. Dafür trägt er immer das Pure Water ins Haus. Wir sind wie ein ghanaisches Ehepaar!
Mit der Library geht es auch voran: Der Carpenter arbeitet im Gebäude (wir haben ihn vorhin besucht), und ich habe die Außenbemalung gestern fertig designt. Heute war ich in Abirem beim Painter und habe ihm meine Zeichnung gezeigt. Morgen früh um 7 (quasi mitten in der Nacht!) treffen wir uns bei der Library, damit er die Kosten einschätzen kann. Von den Spenden ist nämlich nicht mehr viel übrig (eine Auflistung meiner Ausgaben kommt unten). Ich glaube, dass es klasse wird! Wie ich die Außenfassade geplant habe, will ich hier nicht verraten. Ihr sollt dann später das Ergebnis sehen und beurteilen. Hoffentlich kann der Painter es schon bemalen, bevor ich gehe.
Das wird schon am Donnerstag sein, denn dann reisen Gurbe und ich nach Cape Coast. Dort sehen wir den Kakum National Park mit dem berühmten Canopy Walkway und das Cape Coast Castle. Also verbringen wir wahrscheinlich zwei Tage dort (vielleicht schaffen wir es auch an einem). Anschließend fahren wir nach Accra, wo ich Wibi treffe, die mit mir den gleichen Rückflug nach Frankfurt hat. Dort machen wir auch noch zwei Tage Sightseeing, bevor es schlussendlich nach Deutschland geht. Ich habe also nur noch drei volle Tage im Dorf. Am letzten Abend werden wir eine Party im Praktikantenhaus veranstalten - mit Bill, Foster, Maxwell und ein paar anderen Leuten, die wir kennen und gernhaben.
Die Zeit geht so schnell rum! Viel zu schnell für meinen Geschmack... Ich würde am liebsten noch ein Weilchen bleiben, das Library Project beenden und das Trash Can Project starten. Außerdem arbeiten wir gerade an der Radioshow, es wird 10 Sendungen mit anschließendem Quiz geben - jeden Donnerstag um 13 Uhr, wie gehabt. Ich werde nicht dabei sein, was ich sehr schade finde; wo ich doch alles mitgeplant habe...
Dafür können die neuen EPs fleißig mitmachen: In zwei Wochen kommt ein Japaner, nächsten Monat zwei Deutsche. Irgendwie witzig, denn bevor Gurbe kam, waren wir auch genau ein Japaner und zwei Deutsche. Einer der Deutschen, die hierher kommen werden, ist auch noch aus Heidelberg. Das ist prima, dann kann ich die Person vorher treffen (oder zumindest kontaktieren) und vorbereiten, was die Projekte angeht und was am besten mitzubringen ist. Zum Beispiel wären ein paar Büchlein für die Library nicht schlecht, und Spendengeld für Möbel.

Nun die neue Auflistung, was ich alles noch von den Spendengeldern ausgegeben habe:

23.09.11
Holz für die Befestigung der Decke: 420 Cedi
New Total: 1007 Cedi

24.09.11
15 Plywood à 13 Cedi: 195 Cedi
Transport: 25 Cedi
New Total: 1227 Cedi

26.09.11
5 conduits: 3,50 Cedi
2 yards 10mm cable: 4 Cedi
3x3 box plastic: 2,50 Cedi
10 yards flexible wire: 4 Cedi
10 clips: 0,30 Cedi
4 tracking pipes: 8 Cedi
13 wire nets: 260 Cedi
Mosquitonetz: 19 Cedi
Nägel 1 inch: 45 Cedi
Nägel 1 1/2 inch: 22,50 Cedi
New Total: 1595,8 Cedi

Außerdem wird der Carpenter für seine Arbeit noch 280 Cedi bekommen und wir müssen noch 65x Plywood kaufen, was 845 Cedi kosten wird. Das bedeutet, wir haben noch genau 766,20 Cedis übrig. Die werden für den Maler und die Farbe verwendet. Was übrig bleibt, wird noch in Möbel gesteckt (aber wahrscheinlich wird fast nichts übrig bleiben).
Weil ich am Donnerstagmorgen gehe, hat der Painter mir versprochen, er würde am Mittwoch fertig werden. Ich hoffe es sehr!

Freitag, 23. September 2011

Ungeschriebene Gesetze in Ghana

Ich habe angefangen, eine Liste der geltenden Regeln in Ghana aufzuschreiben, die mir so aufgefallen sind. Es ist einfach eine ungeordnete Sammlung von Punkten. Manche davon habe ich von Ghanaern erfahren, manche beruhen nur auf Beobachtung und könnten auch von mir falsch interpretiert worden sein. Manche gelten vielleicht nicht unter Ghanaern, sondern nur im Umgang mit Obronis. Wie dem auch sei: Ich hoffe, ihr findet sie genauso interessant wie ich.

1. Sing NIEMALS unter der Dusche. Wenn man unter der Dusche singt, stirbt am nächsten Tag die eigene Mutter.
2. Wenn du Besuch hattest, der wieder geht, musst du ihn die Hälfte seines Heimwegs begleiten. Bring ihn aber nicht komplett nach Hause (es sei denn, er weiß den Weg nicht).
3. Wenn du Gast irgendwo bist und dir ein Getränk angeboten wird, musst du es komplett austrinken. Alles andere wäre unhöflich.
4. Sag Älteren nicht, dass sie jung aussehen. Hier will man alt aussehen, schließlich ist es eine Leistung, so alt zu werden. Man ist dann weise, erfahren und verdient Respekt. Frauen nehmen es gern als Kompliment an, wenn man ihnen sagt, dass sie älter aussehen, als sie sind.
5. Händeschütteln geht so: Man gibt sich normal die Hand, aber dann drücken beide ihre Fingerspitzen fest gegeneinander, lassen los und schnipsen.
6. Schüttelt man mehreren Leuten die Hände, geht man von rechts nach links vor.
7. Man geht nicht an einem fremden Haus vorbei, ohne die Bewohner zu grüßen (gilt nur dann, wenn die Bewohner grade draußen sind - und das sind sie eigentlich immer).
8. Gegessen wird natürlich nur mit der rechten Hand. Auch winken darf man nur mit rechts!
9. Leb deine Neugierde aus. Geh ruhig an den Laptop und das Handy von Fremden. Nimm auch ihre Kamera und geh damit weit weg, um private Fotos zu machen. Schließe fremde USB-Sticks an deinen eigenen Laptop an und zieh alles rüber. Benutze den Internetstick von Anderen, um Geld zu sparen. Mach all das, ohne zu fragen.
10. Man ruft jemanden mit einem lauten SSSS!
11. Faust schnell öffnen und schließen (wie Kleinkinder in Deutschland manchmal winken) bedeutet: Komm her!
12. Hier wird nicht viel Bitte und Danke gesagt. Manche sehen das als unnötige Floskel an, vor allem beim Einkaufen (da schließlich niemand etwas geschenkt bekommt, sondern nur ein Geschäft abgeschlossen wird). Wenn ich nach einem Einkauf "Thank you" und "Have a nice day" sage, schaut der Händler mich manchmal verwirrt an und sagt: "Okay."
13. Beim Autofahren ist dein größter Freund deine Hupe. Ein Huhn oder eine Ziege steht im Weg? Eine alte Dame versucht auf wackligen Beinen, die Straße zu überqueren? Ein anderes Auto fährt nervigerweise vor dir? Ein Schlagloch will einfach nicht weichen? Eine hügelige Straße regt dich auf, sodass du einfach Frust ablassen musst? In jeder dieser Situationen kannst du einfach 15-20 Mal hupen und kräftig aufs Gas treten. Irgendwie wird man dir schon ausweichen, keine Sorge.
14. Eine andere Möglichkeit, Andere im Straßenverkehr zum Ausweichen zu bewegen (egal, ob Fußgänger oder Autos), ist der Blinker. Wenn du als Autofahrer kurz links blinkst, sagst du damit: "Weiche nach links aus, ich werde meine Fahrtrichtung nicht ändern!"
15. Die Rollenverteilung ist traditionell: Mann geht arbeiten (oft mehrere Jobs), Frau kümmert sich um Haus und Kinder. Es gibt zwar auch arbeitende Frauen, aber das sind dann eher Arbeiten, um den Mann zu unterstützen, z.B. ist der Mann Farmer, die Frau verkauft das Gemüse auf dem Markt.
16. Nachts darf man nicht den Hof fegen, sonst wird man arm (man fegt den Reichtum fort). Das hat einen einfachen und logischen Grund: Früher, als Ghana noch ein Goldgräberland war, konnte es nach Überschwemmungen oder Stürmen oft sein, dass Goldnuggets auf dem heimischen Hof landen, die man nachts einfach wegfegen würde, weil man nichts sieht.
17. Wird ein Kind geboren, so muss man zum Neugeborenen sagen: "Wenn du Wasser siehst, sag: Es ist Wasser. Wenn du Wein siehst, sag: Es ist Wein." Das bedeutet im Prinzip: "Sei dein ganzes Leben lang ehrlich." Man muss es direkt nach der Geburt zum Baby sagen, damit es wirklich ein ehrlicher Mensch wird.
18. Es gibt bestimmte magische Rituale, die zu Reichtum führen, aber man sollte sie nicht duchführen: Alle, die so etwas machen, werden zwar wirklich reich, sterben dann aber einen merkwürdigen, frühen Tod...
19. Die Queen Mother hat einen heiligen Stuhl, auf den sich nur sie setzen darf. Wenn irgendwer versucht, sich auf diesen Stuhl zu setzen, wird er danach nicht mehr aufstehen können und für immer und ewig mit dem Po am Stuhl festkleben.
20. Im Dunkeln zu pfeifen, bringt Unglück.
21. Kleinkinder nuckeln hier nicht am Daumen, sondern an den drei mittleren Fingern.

Erste Spendengelder benutzt

Gestern waren wir in Nkawkaw und haben für die Fenster Louver blades und frames gekauft. Außerdem viele Nägel. Hier eine Auflistung der Kosten:

Louver blades und frames: 470 Cedi
Nägel 2 inch: 26 Cedi
Nägel 3 inch: 26 Cedi
Nägel 1 1/2 inch: 21 Cedi
Transport: 40 Cedi

Total: 588 Cedi

Manche der Louver blades sind beschädigt. Heute werden wir sie austauschen. Außerdem haben wir um 13 Uhr ein Meeting mit dem Marketing Manager von Obuoba FM. Uns wurde gestern mitgeteilt, dass unsere Donnerstagssendung jetzt immer wöchentlich um 13 Uhr stattfinden könnte. Und das die ganzen drei Monate lang, während unser HIV-Programm läuft. Das ist klasse! Natürlich verlangen sie dafür einiges an Geld, aber das wird von Sponsoren kommen (die wir noch finden müssen). Sie sind bereit, uns einen Rabatt zu geben, weil wir eine NGO sind. Gurbe ist richtig gut im Verhandeln und wird uns sicher noch einen Rabatt auf den Rabatt herausschlagen können. Er hat schon die Louver blades und frames billiger hinbekommen, ursprünglich waren 500 Cedi verlangt. Und der Transport hätte normalerweise 60 Cedi gekostet. Gut, dass wir Gurbe haben!

Donnerstag, 22. September 2011

Projekte

Falls sich noch irgendjemand ein ghanaisches Gewand wünscht, sollte er das schnellstmöglich in die Kommentare schreiben (oder eine Mail an Mama), denn mir bleibt nicht mehr viel Zeit und der Schneider benötigt immer ein paar Tage. Es ist natürlich auch möglich, ein modernes Hemd/Top/Kleid/Rock in traditionell ghanaischem Muster zu bekommen. Die Preise weiß ich inzwischen, sie liegen ungeführ bei 20-30 Cedi (etwa 10 für den Stoff, den man zuvor kaufen muss, und der Rest für den Schneider). Also 10-15 Euro, da kann man echt zugreifen. Ich hab mir auch noch ein traditionelles Kleid nähen lassen, und will noch ein kurzärmliges Hemd bekommen. Wer sich etwas wünscht, soll bitte seine amerikanische Größe dazuschreiben.
Auf Wunsch von Mama soll ich noch von der Radiosendung erzählen. Aber dass niemand in Deutschland zuhören konnte, macht mich sogar ganz glücklich - dann habt ihr etwas Neues bei der Ghanaparty zu hören, die bei Merih stattindet. (Wer nicht kommen kann und es trotzdem hören will, kann die Datei natürlich geschickt bekommen; oder sie wird wieder online gestellt.)
Deswegen will ich nicht zu viel verraten. Nur so viel sei gesagt: Foster kam zu spät zur Vorbereitung und hat Schimpfe vom Manager bekommen. Dann vergaß er außerdem unsere Notizen und wir mussten frei in der Sendung sprechen, was uns so einfiel. War ein ziemliches Chaos, aber hat sehr viel Spaß gemacht! Der Moderator hat Felix immer Philipp genannt, ich war wie letztes Mal Sivilla und Gurbe war Gubs. Yosuke war leider nicht dabei, er wollte auch mal einen Tag in der Schule verbringen, bevor er Ghana verlässt. Kann ich verstehen - ich selbst hatte noch gar nicht die Möglichkeit, zu unterrichten (abgesehen von der Ferienklasse)! Es kam immer eins der Projekte dazwischen, für die ich ja eigentlich nicht mal nach Ghana gekommen bin. Aber jetzt ist es nunmal so und ich bin auch damit zufrieden, denn die Projekte machen Spaß und sind sinnvoll (und fürs Unterrichten kann ich noch genug andere Praktika machen). Mein Herz blutet schon, wenn ich daran denke, dass ich das vollendete Libraryprojekt nicht zu Gesicht bekommen werde...
Gestern besichtigte ich die Library nochmal mit Foster, und wir überprüften den Budgetplan. Wir holten uns den Handwerker hinzu, der alles für uns machen wird. Es stellte sich dann heraus, dass wir weitaus mehr als die 2000 Cedi brauchen, von denen Foster gesprochen hatte - vielleicht eher 5000. Die 2000 Cedi reichen gerade mal, um das Dach, die Fenster und die Decke zu reparieren. Dank eurer großartigen Spenden stehen uns 3487 Cedi (1585 Euro) zur Verfügung. Damit kann man schon sehr viel machen, und das ist fantastisch! Nur hatte ich gehofft, dass es reicht, um das komplette Gebäude zu renovieren.
Foster hat die genaue Liste der Dinge, die wir brauchen. Ich werde sie euch noch zur Verfügung stellen, sobald er sie mir gegeben hat. Hier erstmal die, an die ich mich noch erinnere:
Plywood für die Decke - 1080 Cedi
Ceiling joints für die Decke - 210 Cedi
Ceiling bats für die Decke - 245 Cedi
Mosquitonetze an den Fenstern - 30 Cedi
Nägel - ?
Bezahlung für Carpenter - 160 Cedi
Louver blades - ?
Louver frames - ?
Die Louver blades und frames für die Fenster werden wahrscheinlich um die 100 Cedi kosten. Damit sind wir schon bei 1825 Cedi. Und dann brauchen wir noch die Elektrizität, Bänke, Stühle, Tische, Regale, Bücher, ...
Deswegen habe ich geplant, die kompletten Spenden in die Library zu stecken. Ihr als Spender habt natürlich ein Mitspracherecht - wenn also jemand sein Geld lieber beim HIV-Projekt sehen möchte oder einen anderen Vorschlag hat, wie es verwendet werden soll, dann ist Mama (ich nehme an, alle haben ihre E-mail-Adresse) die richtige Kontaktperson.
Heute gehen wir nach Nkawkaw, um einige der benötigten Materialien einzukaufen. Außerdem besuchen wir nochmal den Radiosender, um die weitere Partnerschaft zu besprechen.
Und wo wir gerade schon bei den Projekten sind:
Sicher fragt ihr euch, was denn nun mit dem Trash Can Project ist. Ihr habt schließlich lange nichts gehört. Dank des abgeschlossenen Entertainment Projects, recht intensiven Radiovorbereitungen und Reisen durch Ghana habe ich daran lange nicht weiterarbeiten können. Bei einem Meeting wurde besprochen, dass es besser ist, sich jetzt auf die Library zu konzentrieren und dann das Trash Can Project so richtig zu beginnen, weil man nicht an so vielen Projekten auf einmal arbeiten sollte. Ich werde dann nicht mehr dabei sein, aber Foster und ich werden in Kontakt bleiben und ich kann von daheim aus "dirigieren". Für Gurbe (der bis Dezember bleibt und daran definitiv mitarbeiten kann) und die nächsten EPs (in einem Monat kommen zwei Neue) habe ich einen Projektplan aufgestellt und meine Vorstellungen recht präzise niedergeschrieben, damit sie genau wissen, was gemacht werden muss und was die Ziele des Projekts sind. Auch eine Präsentation für die Firmen, die wir ansprechen werden, ist fertig. Ich habe Zoomlion angerufen, leider war nie jemand erreichbar. Diese Firma muss auf jeden Fall als erste kontaktiert werden, weil eine Partnerschaft mit ihr viele Hürden überspringen könnte. Aber das werden die nächsten EPs alles wissen, weil ich die entsprechenden Dokumente Gurbe und Foster gebe. Ich hoffe, dass sie das zusammen mit mir hinkriegen und am Ende tatsächlich Mülltonnen in Bontodiase/Ofoase stehen!
Auch wegen der Library werde ich übrigens in engem Kontakt mit POCI bleiben, wenn ich in Deutschland bin. Ich will definitiv wissen, was mit dem Projekt passiert und wie alles vorangeht. Ich habe ja auch Aktivitäten aufgeschrieben, die hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft in der fertigen Library stattfinden werden.
Das heißt also: Nur weil ich schon Anfang Oktober zurückkomme, heißt das nicht, dass Ghana für mich dann abgeschlossen ist. Da ihr sicher auch auf dem Laufenden bleiben wollte, kann ich - sofern ihr das wünscht - den Blog dann weiterführen und über die Fortschritte der Projekte informieren.

Donnerstag, 15. September 2011

Wochenendplaene

Bin gerade in Nkawkaw im Internetcafe (und benutze eine scheussliche Tastatur), die Radiosendung ist vorbei. Es lief gut, diesmal kam ich mehr zu Wort als letztes Mal. Ich habe die Aufnahme auf dem USB-Stick, also macht euch keine Sorgen, dass ihr nun alles verpasst habt. Oder hat es am Ende noch geklappt, zuzuhoeren?
Mein Internetstick ist abgelaufen, was mich sehr wundert. Das Programm hatte mir angezeigt, dass ich noch einige GB nutzen kann. Das ist aber nicht so schlimm: Morgen bin ich in Kumasi und kaufe dort einen neuen Internetstick. Der Plan sieht folgendermassen aus:
Der Entertainment Day findet morgen von 9 bis 12 Uhr statt, danach brechen wir vier EPs in den Norden auf. Wir wollen am Wochenende den Mole National Park und die aelteste Moschee Ghanas besuchen, die beide bei Tamale liegen. Dafuer muessen wir in Kumasi und Tamale umsteigen. Ich werde waehrenddessen wenig bloggen koennen, denn wir sind die ganzen Tage auf Reisen (es dauert sehr lang, dort hinzukommen) und kommen am Montag zurueck. Aber spaetestens wenn ich zurueck bin, werde ich mich wieder bei euch melden. Ich habe einen vorbereiteten Blogpost (ungeschriebene Gesetze in Ghana), den ich zwischendurch abschicken kann, damit ihr was zu lesen habt...
Stromausfall haben wir in Bontodiase immer noch - ununterbrochen seit zwei Tagen. Irgendwas scheint wohl kaputt zu sein, hoffentlich reparieren sie das bald. Schliesslich koennen wir so nie kochen und muessen immer Botifru und anderes Fertigzeug kaufen (was aber auch nicht so schlimm ist, ich mag es naemlich ganz gerne).

Mittwoch, 14. September 2011

Kein Radio heute. Erst morgen!

Nur ganz kurze Meldung, damit ihr Bescheid wisst: Die Radioshow findet morgen um 15 Uhr (deutsche Zeit) statt.
Ich kann nicht viel schreiben, weil wir seit gestern Stromausfall haben und ich den Laptop nicht aufladen konnte. Die Batterie ist gleich leer. Wir lesen uns wieder, wenn der Strom zurückkommt!

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